Der Katamaran

Boot

Der Katamaran

Früher als Herz, Kopf und Bauch in ihrem Boot fuhren, hatte meistens Kopf das Steuer. Oft

schwanke ihr Boot hin und her oder blieb im Schilf stecken. Dabei wollte Kopf immer möglichst

schnell voran kommen. So ging es nicht weiter. Herz fasste sich eines Tages ein Herz und übernahm

immer öfter das Steuer. Es konnte sich gegen Kopf behaupten und bekam die Erlaubnis das Steuer

und das gemeinsame Boot zu führen.

Herz hatte einen ganz anderen Führungsstil als Kopf. Herz gab darauf acht mit dem Strom zu

fließen. Immer im Fluss wollte Herz sein. Es schien anfangs langsamer zu gehen, ihre Bootsfahrt.

Doch dieser Eindruck entstand nur dadurch, dass Herz nicht so schnelle Bewegungen mit dem

Steuer vollzog, so wie Kopf das immer machte. Bauch hielt sich auch nicht mehr an der Reling fest,

wie früher so oft, wenn Kopf das Steuer gehabt hatte. Bauch konnte entspannt im Liegestuhl

entspannen und die Fahrt genießen.

Und was sagte Kopf dazu? Kopf sah sich das ganze an. Als Beobachter. Manchmal gab Kopf einen

schlauen Rat. Und Herz erwog, ob es den Rat annehmen wollte. Manchmal tat es das, manchmal

nicht. Herz wusste wo es lang wollte, und wie es fahren wollte.

Die Fahrt ging ruhig voran. Herz freute sich, dass alles im Fluss war.

Eines Tages zog es Herz zu einem anderen Boot hin. Der große Traum von Herz war, sich mit

einem anderen Boot zusammen zu tun und gemeinsam einen Katamaran zu bauen. Es fand ein

Boot, dass ebenfalls diesen Plan hatte. Herz war ganz begeistert. Dieses Boot fragte immer wie es

Herz ginge und meldete sich jeden Tag bei Herz. Schließlich spannten sie Seile zwischen den

Booten, um die gemeinsame Fahrt zu erproben. Das andere Boot wurde von einem klugen Kopf

geführt. Herz konnte jedoch kein Herz und keinen Bauch auf dem Boot erkennen. Vielleicht waren

sie unter Deck. Der Fahrstil gefiel Herz zunächst. Doch es hatte immer öfter den Eindruck, dass das

andere Boot und ihr Boot nicht im gleichen Rhythmus lenken und fahren konnten. Die zuerst straff

gespannten Seile wurden lockerer. Herz blieb auf seinem Kurs. War nicht bereit wegen Kopf wieder

in die Fahrwasser zu gelangen, die auch ihr Kopf früher befahren hatte. Schließlich sprach Herz mit

Kopf des anderen Bootes. Sagte, es könne die gemeinsame Fahrt so nicht weiter führen. Sie fuhren

nicht im gleichen Tempo und in die gleiche Richtung. Die Seile waren zu locker gespannt. Herz

spürte, dass es die Fahrt zunächst alleine weiter führen musste, um seinen Kurs nicht zu verlieren.

Herz verabschiedete sich respektvoll von Kopf des anderen Bootes und holte die Seile wieder ein.

So konnte Herz seinen Kurs beibehalten und das andere konnte Boot selbst erproben, wie die Fahrt

auf dem Fluss am besten zu bewerkstelligen war. Schließlich fuhr jedes Boot anders.

Herz war also wieder auf Kurs. Mit frischen Wind in den Segeln ging die Fahrt weiter. Jetzt erst

spürte es, dass es es doch Kraft gekostet hatte den Versuch mit dem anderen Boot zu starten und

dass es an Fahrt verloren hatte. Herz wusste, dass es das wert gewesen war. Immerhin wusste es

jetzt besser was es brauchte.

Herz hielt an dem Traum fest einen Katamaran mit einem anderen Boot zu bauen. Dieses Boot

musste jedoch auch von einem Herzen geführt werden und Kopf und Bauch sollten auch an Deck

sein, damit ihr Kopf und Bauch jemanden zum unterhalten hatten.

Herz fuhr also weiter. Kopf und Bauch lagen in der Sonnenliege und schlüften Cocktails und ließen

sich die ruhige Fahr gut gefallen. Hin und wieder winkten sie anderen Booten zu und schauten sich

die Besatzung an. Da gab es sehr schicke Boote, die von einem Kopf geführt wurden. Richtige

Jachten. Dann wieder andere die eher ein Floß waren und mit Stöcken versuchten halbwegs auf

Kurs zu bleiben. Es gab auch Schlauchboote, die in wilder Fahrt an dem Boot vorbei sausten.

Es kam ein Tag an dem ein Nebenfluss zum Fluss hinzuströmte. Ein Boot genauso groß wie das

Boot von Herz, Kopf und Bauch tauchte auf und auf dem nun breiterem Gewässer fuhren die beiden

Boote nebeneinander. Auf dem Boot herrschte gute Stimmung. Die Besatzung war froh, dass sich

nun mal etwas am Fluss änderte und dieser mit einem anderen Fluss zu einem breiteren

zusammenfloss. Die Besatzungen winkten sich zu. Herz hatte gleich das Gefühl es könnte Freude

machen, die Besatzung von diesem Boot kennen zu lernen. Die waren sehr lustig drauf und

unterhielten sich laut. So etwas könnte ihre Besatzung auch gerne mal mitmachen.

Die Besatzung von dem andren Boot gab Handzeichen, sie sollen den Kurs ein wenig anpassen,

damit sie näher nebeneinander fahren konnten und kam gleichzeitig ebenfalls ein Stück Richtung

Boot gelenkt. Als sie nahe genug waren legten die beiden Besatzungen gemeinsam Planken über die

Reling. Die Höhe der Boote passte gut zusammen. Nun war es ein leichtes die Besatzung auf dem

anderen Boot zu besuchen. Sie waren eingeladen und feierten zusammen. Der Abend wurde spät

und sie beschlossen sich auf dem Boot von Herz, Kopf und Bauch auszuruhen. Bis zum nächsten

Morgen schliefen sie lange und genossen ein herrliches Frühstück ganz in Ruhe.

Es stellte sich heraus, dass das andere Boot ebenfalls von einem Herzen liebevoll geführt wurde.

Jedoch arbeiteten Bauch und Kopf dieser Besatzung eng zusammen. Herz gab zwar die Richtung

an, doch Kopf hatte einen kraftvollen Einfluss. Sie hatten immerzu neue Ideen, was man auf der

Fahrt noch alles erleben könnte.

Herz gefielen die Gespräche am Tisch zu sechst. Auch ihr Kopf beteiligte sich nun wieder stärker

und hatte viele Ideen, was es in Zukunft vielleicht alles zu erleben gab.

Die beiden Boote fuhren nun schon länger nebeneinander auf dem Fluss. Die Planken hielten,

obwohl sie gar nicht befestigt waren. Die beiden Boote waren einfach im gleichen Tempo

unterwegs und hielten den Abstand bei, der notwendig war, um genügend Fahrwasser zwischen den

Booten zu lassen und nah genug war, um sich zu besuchen.

Herz erkannte, dass es schon längst den Katamaran hatte, den es sich immer gewünscht hatte. Auch

ohne feste Seile oder das Befestigen der Planken mit Nägeln. Es war eine Leichtigkeit mit der die

beiden Boote im gleichen Tempo nebeneinander den Fluss hinunter fuhren, dass es eine wahre

Freude war.

Herz dachte immer, man müsse sich anstrengen und einen Katamaran aus zwei Booten bauen.

Dabei ging es viel leichter!

Herz blieb auf seinem Kurs und freute sich jeden Tag über das andere Boot, dass nun schon lange

neben ihm fuhr.

Sie schmiedeten gemeinsame Pläne. Wäre es nicht schön ein kleines Boot zu bauen und auf den

Planken zu balancieren? Sicher, das wäre eine große Herausforderung ein ganzes Boot auf den

Planken zu balancieren. Und stark genug waren die Planken und die Verbindung die sie beide durch

ihren gemeinsamen Rhythmus geschaffen hatten. Und mutig waren sie auch. Sie entschieden

gemeinsam das Projekt anzugehen und zu erleben, was es dabei alles zu entdecken geben würde.

 

Sonja Martin

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