Die kleine Sternschnuppe

Sterne

Die kleine Sternschnuppe

Es war einmal eine kleine Sternschnuppe mit einem großen Traum. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als auch eines Tages einmal mit den großen Sternschnuppen zusammen über den Himmel zu rasen und Wünsche zu erfüllen. Denn im Wünsche erfüllen war sie gut, das wusste sie tief drinnen in ihrem Herzen. Nicht dass sie je schon mal die Chance gehabt hatte auch nur einen winzig kleinen Wunsch zu erfüllen. Sie war einfach zu unscheinbar. Egal wie viel Mühe sie sich gab zu strahlen und zu funkeln, keiner nahm sie überhaupt war. An sich war die kleine Sternschnuppe ganz zufrieden mit ihrem kleinen Leben. Sie hatte einen schönen Platz am Himmel gefunden und jede Nacht reinigte sie ihn brav von Sternenstaub, schickte Licht zur Erde und betrachtete die Menschen, die da unten so schrecklich bemüht waren sich Mühe zu geben. So ganz anders als wir sind sie gar nicht, dachte sie sich im Stillen. Allesamt wollen wir Großartiges erreichen und sind die meiste Zeit doch einfach nur ganz groß im artig sein.

Die Sternschnuppe wusste jedenfalls, dass sie immer sehr artig war.

Sie leuchtete nie so hell, dass sie jemanden blendete.

Sie gab sich mühe ungefähr gleich hell zu scheinen, wie die Sterne um sie herum, damit niemand sich in den Schatten gestellt fühlte.

Und sie war stehts darum bemüht nicht zu dunkel zu erscheinen, damit sich niemand Sorgen um sie machen musste, oder gar auf den Gedanken kam, sie wäre nicht so blendend guter Laune wie es sich eben für eine Sternschnuppe gebührte. Sie gab sich große Mühe eine perfekte kleine Sternschnuppe zu sein. Natürlich wusste sie, dass sie eine ziemlich durchschnittliche kleine Sternschnuppe war. Sie war weder besonders groß, noch würde sie jemals in einem der Sternenbilder zu sehen sein. Niemand auf der Milchstraße kannte sie. An den meisten Tagen fand sie das gar nicht so schlimm. Sie musste nicht im Blitzlicht stehen. Das einzige, dass sie sich aus ganzem Herzen wünschte, war einmal im Sternschnuppenregen mitzutanzen. Ihre Seele verzehrte sich danach einmal einen Wunsch zu erfüllen, und auch wenn es nur ein ganz kleiner war, es war das einzige was sie konnte. Es war ihre Bestimmung. Die Sterne um sie herum rieten ihr davon ab. Sie sagten, alle würden das wollen und es wäre eben nur wenigen bestimmt ein Glücksstern zu sein. Sie könnte doch nur für sich selbst funkeln, andere täten das schließlich auch. Überhaupt wäre es doch etwas naiv an Wunder zu glauben.

Leider war an Wunder zu glauben das einzige was diese kleine Sternschnuppe konnte. Wenn es keine Wunder gab, was würde aus all den Menschen da unten werden, die eines brauchten. Was war, wenn alle großen Wunder ausgestorben waren? Sollte es nicht möglich sein die Welt ein kleines bisschen heller zu machen auch wenn man nur eine ganz ganz kleine Sternschnuppe war? Über all diesen Gedanken wurde die kleine Sternschnuppe immer trauriger und dunkler. Und je dunkler sie wurde, desto weniger wollten die anderen Sterne etwas mit ihr zu tun haben.

Du bist nicht hell genug sagten sie. Jetzt müssen wir mehr leuchten um den Verlust deines Lichtes auszugleichen. Das strengt an. Du warst netter als du nicht anstrengend warst.

Aber ich bin doch nur so traurig, weil ich keine Wunder geschehen lassen kann. Ich wünsch mir doch nichts weiter als ein winzig kleines Wunder. Ich will einmal mit den großen Sternen tanzen. Ich will das ein Wunsch mich bemerkt…“

Die anderen Sterne begannen zu lachen. Niemand von ihnen würde je mit den großen Sternen tanzen oder ein Wunder wahr werden lassen. So war man eben nicht. Man war realistisch!

Weist du was du bist?“ riefen die anderen Sterne. „Du bist einfach nur eine Schnuppe. Es gibt schon so viele Sterne. Manche müssen auch einfach nur Schnuppen sein. Wie willst du denn Wünsche erfüllen, wenn du so klein und unbedeutend bist. Dafür musst du schon heller strahlen als der Rest.“

Sie lachten und drehten sich weg.

Traurig begann die kleine Schnuppe zu flackern. Vielleicht sollte sie einfach aufhören zu leuchten, vielleicht gab es nichts, dass sie konnte und schon gar keine Wünsche erfüllen.

In diesem Moment, als die Schnuppe beschlossen hatte in der nächsten Nacht nicht wieder zu kommen, hörte sie eine zaghafte Stimme.

Es war nur ein flüstern, fast so winzig wie sie selbst.

Papa, werde ich je eine Sternschnuppe sehen?“ Die kleine Schnuppe traute ihren Ohren nicht.

Bestimmt mein Sohn. Später wenn du groß bist. Dann kannst du dir etwas wünschen.“

Aber ich wünsche mir doch schon jetzt etwas. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine Sternschnuppe zu sehen!“

War das etwa ein Wunsch? Die kleine Schnuppe viel vor Aufregung fast vom Himmel.

Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung mein Schatz. So früh am Abend würde eine Sternschnuppe zu sehen schon an ein Wunder grenzen und jetzt schlaf.“

Die kleine Schnuppe spitzte aufgeregt die Ohren. Was wenn der kleine Junge jetzt aufgab? Sie wurde ganz traurig. Der Junge sollte nicht warten bis er groß genug wurde und sowieso schon nicht mehr an Wunder glaubte. Sie beschloss auf der Stelle aufzugeben. Es machte keinen Sinn mit dem Erlöschen noch eine Minute länger zu warten. Die Schnuppe war schon fast nicht mehr als das schwache flimmern eines längst vergessenen Sterns, da hörte sie es wieder und diesmal klar und deutlich.

Ich wünsche mir eine Sternschnuppe zu sehen. Ich wünsche mir ein Wunder!“ Die Schnuppe strahlte auf. Da sehnte sich ein Kind nach einem Wunder. Da unten brauchte ein Kind ihre Hilfe! Wenn der Junge in dieser Nacht keine Sternschnuppe sah, würde er vielleicht aufhören an Wunder zu glauben. Er würde zu früh erwachsen werden und in seinem Leben wäre nicht länger Platz das Unmögliche zu wagen…

Aber er sollte doch Wunder erleben! Er sollte wissen, dass er Großartig sein konnte und nicht bloß artig!

Mit einem Mal erfasste die kleine Sternschnuppe eine große Sicherheit. Sie wusste was sie zu tun hatte. In dieser Nacht würden Wunder geschehen! Wenn sie eines konnte, dann war es Wünsche erfüllen und sie würde jetzt ein Wunder vollbringen, damit dieser Junge niemals aufhören würde zu wünschen. Er würde Hoffnung haben in einer Welt die manchmal ganz schön hoffnungslos war. Sie nahm all ihren Mut zusammen und schaute nicht mehr zurück. Sie dachte nicht mehr an jene, die sie eine Schnuppe genannt hatten. Sie nahm Anlauf und sprang über den Himmel und während sie flog leuchtete sie heller als es je ein Stern getan hatte…

Unten auf der Erde lächelte ein kleiner Junge still in sich hinein, denn er wusste nun, dass Wunder eben doch wahr werden konnten.

Anna Louise Buchloh

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