Von ollen Kamellen und junge Sardellen

Kakadu

Von ollen Kamellen und junge Sardellen

Eines Morgens klingelte es an der Tür. So gerne ich jetzt sagen würde, dass mich das nicht weiter störte, weil ich an meiner Übersetzung von Proust ins Altägyptische saß, ich müsste lügen. Es störte mich ganz gewaltig, denn ich schlief. Beziehungsweise hatte ich dies getan, bis es an eben jener Tür, die meine war, geklingelt hatte. Es klingelte erneut. Vor der Tür standen zwei adrett gekleidete Leute mit einem dunklen Buch in der Hand.

Erwachet!“, sagte der eine freundlich und drückte mir einen Kaffee-to-go-Becher in die Hand. Bevor ich sagen konnte, dass ich mit ihm über Müllprobleme, erzeugt durch nur zum einmaligen Gebrauch gedachter Heißgetränkebecher, reden wollte, unterbrach er meine Gedanken mit den Worten:

Wir sind Zeugen des Faupax und möchten mit ihnen über Tauben reden.“

Warum?“, fragte ich erstaunt.

Darum“, sagte der kleinerer Zeuge zuvorkommend.

Dieser fundierten Aussage hatte ich nichts entgegen zusetzten.

Ich nippte stumm an meinem Kaffee. Vielleicht war sechs Uhr früh genau die richtige Zeit um über Tauben zu reden. Ich hatte mich bisher für das Thema nicht erwärmen können. Vielleicht hatte es einzig und allein an der Uhrzeit gelegen. Die Zeugen standen verloren im Flur herum. Ich bat ihnen an über Gott zu reden. Sie lehnten ab.

Warum verwechseln uns die Leute denn immer? Wir sind ganz andere Zeugen. Nicht Jehovas, nicht des Mofas. Die Leute verstehen uns immer falsch. Vor allem am Telefon.“ Sie sahen betrübt aus.

Was ist denn jetzt mit den Tauben?“ fragte ich um die Stimmung aufzuhellen.

Wir sind gekommen um den Fehler gerade zu biegen…“, sagte der Zeuge mit unheilvoller Stimme.

Was für einen Fehler?“, fragte ich noch unheilvoller zurück.

Die Tauben wollen nicht mehr auf den Dächern sitzen. Vielmehr sagen sie, ihnen hätte von Anfang an die Hand zu gestanden. Nicht den Spatzen. Wenn sie mich fragen ein Übersetzungsfehler.“ Ich nickte zustimmend. Mir passierte es auch schon hin und wieder, dass ich eine Hieroglyphe falsch malte, aber immerhin, war mein Zielpublikum bereits ausgestorben, da machte es nicht so viel. Einem toten Pharao war es egal ob er nun „Die leiden des jungen Werter“ oder „Die Eiben des jungen Gärtners“ las. Hier lag wohl ein schwerwiegenderes Problem vor.

Das Problem ist“, flüsterte der Zeuge hinter vorgehaltener Hand „Die Tauben sind nur der Anfang. Alles vertauscht und verwechselt. Ein einziger großer Faupax.“

Ich nickte feierlich. Langsam verstand ich. Ich hatte es gewusst.

Ist meine Frau deswegen ein Engel im Bett und eine Hure in der Küche?“

Exakt.“ merkte der andere Zeuge an.

Kennen sie den Schimmelreiter?“, fragte mich der kleinere der Beiden. Ich nickte wissend. „ Also nicht persönlich…“, merkte ich Sicherheitshalber an.

Sehen sie es war ein Rappe.“

Wer?“

Der Reiter?“

Nein der Schimmel.“

Langsam wurde mir das Ausmaß der Katastrophe bewusst.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“, rezitierte ich mittlerweile in meinen Grundfesten erschüttert.

Tja was soll ich sagen.“, der Zeuge hob bedauernd die Schultern „angenehme achtundzwanzig Grad und Sonnenschein. Sehr windstill gewesen der Tag. Der Junge hat übrigens letztes Jahr sein Abitur gemacht.“ Ich nickte erfreut. Immerhin hatte das ganze auch seine guten Seiten.

Ich ließ mir die Sache durch den Kopf gehen.

Für Romeo und Julian wird das Ganze wohl gar nicht so verkehrt gewesen sein. Die sollen ja im guten alten Verona etwas konservativ gedacht haben.“

Der Andere Zeuge nickte bestätigend.

Aber falls es sie interessiert, Britney Spears hat es gar nicht nochmal getan.“

Erleichtert lachte ich auf. „Ich glaube Sie haben gerade meinen Tag gerettet.“

Gerne doch!“, sagte der Zeuge beflissen. „Und passen sie auf die Gruben auf. Andauernd graben die Leute welche, aber fallen dann einfach nicht rein. Was glauben sie wie viele Gruben auf der Welt leer herum stehen und darauf warten, dass da mal einer reinfällt.“

Ich nahm mir fest vor seinen Rat zu beherzigen.

Ziemlich überrascht bedankte ich mich bei den Zeugen für das absolut interessante und angenehme Gespräch.

Sehen sie“, sagte der Zeuge freundlich „man muss nur offen bleiben.“

Wofür?“

Alles!“ sagte der Zeuge zufrieden. „Und Pfannkuchen.“

Anna Louise Buchloh

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