Geteilte Unaufmerksamkeiten

Biergarten

Geteilte Unaufmerksamkeiten

Perfektes Biergartenwetter – die Sonne scheint, nicht zu heiß, das bisschen Schweiß wird durch kaltes Bier wieder aufgefüllt, nette Bedienungen mit viel zu großem Ausschnitt… und ich sitze hier im Zimmer und schreibe diesen Text. Gut hier ist es auch schön. Und ich könnte ihn ja auch im Biergarten schreiben. Aber dann wäre ich ja wieder mit all diesen Gastro-Witzeleien konfrontiert weswegen ich ja diesen Text schreibe.
Ich glaube man muss in diese Welt einmal eingetaucht sein um das Ausmaß zu verstehen. Es ist wie ein kleines Universum für sich. Das Gastroversum. Kellner leben ja vom Trinkgeld und das muss klug verdient sein. Weibliche Kellner bei männlichen Gästen ist recht einfach:


„Sie hat mir zwar das falsche Getränk gebracht und ich hab gesehen wie ihre vorgetäuschte Freundlichkeit im Umdrehen in Genervtheit umschlug, aber sie hat mir 85% ihrer Brüste gezeigt, ich denke 5€ Trinkgeld sind bei einem Cappuccino schon angemessen“
Das ist das Prinzip. Immer. Männliche Kellner bei weiblichen Gästen ist genauso einfach:
„Wie er mir zugelächelt hat. Und mein Aussehen hat er auch gelobt. Aber am meisten freut es mich, dass er sich für meine Rheuma Historie interessiert hat. Dafür gebe ich gerne 20% meiner Rente als Trinkgeld an diesen lieben jungen Mann“
Und nein dafür muss man sich nicht schlecht fühlen, ist es doch als Schmerzensgeld zu betrachten. Also fassen wir bis hierher zusammen: Titten oder Charme. Allerdings gibt es dann ja immernoch das gleiche Geschlecht und die versauen immer alles:
„Schatz die hat dich die ganze Zeit angemacht.“
„Hat sie gar nicht, sie war nett und hat mir meinen Kaffee gebracht, mehr nicht“
„Doch sie ist scharf auf dich. Ich hab eure Blicke gesehen. Wenn du auch nur einen Cent Trinkgeld gibst schläfst du heute auf der Couch“
Zack und eine Stunde Bewirtung umsonst. Dafür gibt es auch keine Lösung. Man kann natürlich pokern und hoffen, dass er die Brüste toll findet und heimlich trotzdem Trinkgeld gibt. Man kann auch warten bis er zum bezahlen alleine an die Theke kommt und nochmal keck lächeln und sagen was für eine tolle Freundin er hat, was ja aber verständlich ist bei so einem gutaussehenden Mann. Klappt mal – geht mal nach hinten los. Bei Männern ist das übrigens ähnlich. Wenn man Glück hat ist es jemand, der wen kennt, der jemanden kennt und dann kriegt man Kumpel-Bonus-Trinkgeld. Im besten Fall zahlt sie einfach…
Aber das ist ja bei weitem noch nicht das ganze Ausmaß der Tragödie. Kellnerwitze. In einer Tour. Und keine kreativen frischen, neeeeeiiin, Die guten alten:
„Stimmt so“
„Entschuldigung, das sind nur 5€. Sie müssten 6,20€ bezahlen.“

„Haha, ja versuchen kann mans ja mal gell?!“
Oder auch sehr beliebt:
„Wie viel? 9,95€? (Gibt 10€) Stimmt so. Aber nicht gleich alles auf einmal ausgeben (zwinkert).“
Ja traurig. Sehen Sie da wo sie sitzen irgendwo eine Ecke? Dann gehen Sie da jetzt bitte hin. So und jetzt schämen Sie sich, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie auch schon mal so einen schlechten Witz gebracht haben. So und jetzt warten Sie bitte kurz ich muss auch in die Ecke. Und ich habe lange genug gekellnert um zu wissen wie nervig dämlich das ist. Aber vielleicht gehört das alles irgendwie zu diesem Gastroversum dazu. Eine kleine unveränderbare Welt für sich. In der man tolle Zeiten haben kann und viele nette Menschen kennen lernt. Und manchmal sind es ja auch die Kellner die die Witze machen. Hier eine kleine Anekdote die ich als Gast erleben durfte:
Ein dunkelhäutiger Kellner bringt einem Gast zwei Kugeln Eis und sagt „Die gehen aufs Haus“. Gast freut sich und fragt: „Sind sie der Besitzer?“ Der Kellner verneint und verweist auf eine Dame hinter dem Tresen. Gast: „Ja dürfen sie das denn?“ Anderer Gast: „Na wenn nicht bekommt er gleich eins auf den Deckel.“ Daraufhin der Kellner: „Dann mach ich einfach das Licht aus, dann sieht sie mich nicht.“
Richtig erkannt – ER darf das. Und dann dürfen Sie lachen und Trinkgeld geben. Und geben Sie großzügig, denn dieses kleine Gastroversum kann ganz schön anstrengend sein.

Alexander Buchloh

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