Stellenausschreibung

Katze

Stellenausschreibung

Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen,

mir ist in den letzten Tagen des öfteren zu Ohren gekommen, dass meine Untergebenen, auf der Suche nach einem weiteren Anführer im Hause Winterdotter sind. Hierfür wollen sie Ihrem Tierheim in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten. Ich denke sie alle können verstehen, dass diese Information für mich zu Anfangs sehr erschreckend war und ich einige Tage und exzessives Fellknäul würgen gebraucht habe um darüber hinweg zu kommen.

Nach dem ich mich einige Zeit in meine Herrscherzentrale unter dem Sofa zurück gezogen habe, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass diese netten kleinen Menschen es wahrscheinlich nur gut meinen. Ich sollte an dieser Stelle, direkt zu Anfang, klar machen, dass es sich bei Familie Winterdotter nicht gerade um die hellsten Sterne am Himmel handelt. Sie sind sehr nett und ich will mich nicht beschweren, aber man könnte sie durchaus als unterbelichtet bezeichnen. Allerdings habe ich auch gehört, dass man es mit seinen Untergebenen wahrlich schlechter treffen kann. Hier im Hause wissen zumindest schon mal alle wie man einen Dosenöffner benutzt und alleine das spricht ja schon für einen Funken Intelligenz in ihren Köpfen. Ich möchte also nicht vorschnell urteilen und Ihnen unterstellen, dass sie der Meinung wären, ich wäre meiner Aufgabe als Tyrann und Unterdrücker nicht mehr gewachsen. Ich habe bisher die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie lernfähig sind. Besonders im jüngsten Rudelmitglied sehe ich großes Potenzial schlummern. Bis vor kurzen hat er noch unmögliche Klagelaute von sich gegeben, jetzt bilden sich aus diesem unverständlichen Gebrabbel schon ganze Wörter. Desweiteren lässt es eine große Menge seiner Nahrung unvorsichtiger Weise auf den Boden fallen. Ich habe ihm schon öfter gesagt, dass er anfangen muss auf sein Essen besser aufzupassen, weil er sonst immer so winzig und hässlich bleibt. Bis es allerdings soweit ist, bin ich aber gerne bereit mich um die Beseitigung der genießbaren Happen zu kümmern. Leider muss ich einwenden, dass seine Eltern keine besonders guten Jäger sind, denn einige von diesen „Nahrungsmitteln“ würde ich persönlich nicht nur auf dem Boden, sondern gleich in den Müll schmeißen. Die Mama des kleinen Hosenscheißers nennt es Zucchini. Vielleicht eine Art Folterinstrument wenn das kleine haarlose Ding zu viel schreit. Sie sollte mal versuchen sich auf den Schreihals drauf zu legen. Mir erlauben sie das ja nicht, könnte aber durchaus eine Zeitlang für ruhe Sorgen. Vielleicht könnte dies eine Aufgabe für Sie werden, geschätzter Kollege oder Kollegin. Kommen wir ohne Umschweife zu Ihren sonstigen Aufgaben im Hause Winterdotter. Ich möchte von vorneherein darauf hinweisen, dass ich nicht vorhabe von meinem Fünfjahresplan auch nur einen Zentimeter abzuweichen. Ich habe im laufe meiner vierjährigen Diktatur einiges erreicht und würde mich freuen, wenn Sie geschätzter Kollege, Kollegin ebenfalls bereit wären mit mir an einem Strang zu ziehen. Familie Winterdotter bedarf der nötigen Strenge. Mein Kredo: mehr Peitsche als Zuckerbrot. Sie werden schnell merken, dass Familie Winterdotter täglich an ihre Aufgaben erinnert werden muss. Hierfür ist es wichtig einen strengen Zeitplan einzuhalten. Ich stehe jeden Morgen pünktlich um sechs Uhr auf und beginne nach einander die Familie durch lautes Miauen zu wecken. Sie werden schnell feststellen Herr Kollege, Frau Kollegin, dass wenn Sie sich nicht persönlich um solche Dinge kümmern, sondern so etwas Wichtiges, etwas so unzuverlässigem wie einem Wecker überlassen, kann es Stunden dauern bis Sie etwas zu essen bekommen. Ich gebe zu, auch wenn mein Repertoire von leisem Maunzen bis zu stakkato-artigem Schreien reicht, schaffe selbst ich nach Jahre langer Übung es nicht immer die Familie wach zu bekommen. Hier kommt die Peitsche ins Spiel! Wer nicht Aufwachen will muss fühlen! Als besonders effektiv hat es sich gezeigt, Kotze an strategisch gut positionierten Orten zu verteilen! Vor dem Bett oder direkt vor der Schlafzimmertür, auch Polster und Teppiche eignen sich hervorragend. Bisher haben ich mit dieser Methode ganz gute Lernerfolge erzielen können. Leider muss man trotz all dieser Anstrengungen berücksichtigen, dass Menschen sehr vergesslich sind. Sie werden erstaunt sein zu erfahren Herr Kollege, Frau Kollegin, dass Sie wirklich täglich zwei mal dazu gezwungen sein werden, die Familie daran zu erinnern, dass wir tatsächlich jeden Tag etwas zu essen benötigen und das mindestens zwei Mal! Viel besser wäre drei, vier Mahlzeiten über den Tag verteilt, aber soweit bin ich leider noch nicht in ihren begrenzten Horizont vorgestoßen. Eine Eigenart der menschlichen Spezies die ich bisher wissenschaftlich noch nicht erklären kann ist, dass sie permanent damit beschäftigt sind, selbst essen in sich hinein zustopfen, aber kein bisschen im Blick haben, das Andere vielleicht auch Hunger haben könnten!!! Ich denke es liegt an ihrem begrenzten Gedächtnis, dass ihnen so viele Fehler unterlaufen. So oft ich versuche sie daran zu erinnern, dass sie schon letzte Woche mit dem Ding, ich persönlich nenne es das Monster, durch die Wohnung gefahren sind. Sie vergessen es immer wieder und fahren jede Woche wieder aufs neue damit durch die Wohnung. Der Lärm alleine wäre ja noch auszuhalten, aber das Schlimme an diesem Monster ist, dass es meine stundenlange Arbeit mit einem Schlag zunichte macht. Bin ich gerade fertig geworden Katzenstreupartikel genau an die Stellen zu legen, an denen man reintreten und sich besonders weh tun kann, saugen sie sie wieder weg. Immer wenn der hässliche Bezug des Sofas endlich, dank meiner Haare, nicht mehr so ins Auge sticht, machen sie sie alle wieder weg. Ich denke Sisyphos weiß wovon ich rede. Hier ein kleiner Tipp meinerseits, die Mühe wird allerdings belohnt. Wenn man sich besonders anstrengt Haare zu verteilen, schimpft die Menschenmama mit dem Menschenpapa und zwingt ihn mich zu bürsten. Das ist eines der Highlights in meinem anstrengenden Leben. Ich bin mir sicher, Sie werden das bei Ihnen auch einführen, also denken sie daran immer fleißig Haare an strategisch ausgesuchten Stellen zu verteilen. Ich will sie nicht belügen, die Jobbedingungen sind hart und Sie werden viel schlafen müssen um dem Ganzen kräftemäßig überhaupt gerecht zu werden, aber ich sage Ihnen, wenn die Untergebenen dann endlich mal das Haus verlassen haben, dann spüren Sie manchmal gegebenenfalls so etwas wie Liebe in sich. Wenn Sie also glauben, den Anforderungen im Hause Winterdotter gerecht zu werden, dann dürfen Sie nächsten Dienstag, wenn eine nett aussehende dreiköpfige Familie im blauen Volvo vorfährt, versuchen so süß wie möglich zu sein, ich freue mich Sie dann persönlich zu einem Vorstellungsgespräch begrüßen zu dürfen.

P.S. Bitte kümmern Sie sich um Ihre eigenen Toilette.

Hochachtungsvoll, Ihr Zukünftiger Chef und Kollege

Der Kater des Hauses

Anna Louise Buchloh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s