Ich bin ein Teil von jener Kraft

Anna

Ich bin ein Teil von jener Kraft

Ich bin ein Teil von jener Kraft, die zwar was will doch nie was schafft.

Ich habe eine ganz einfach Frage: Warum kann man nicht dafür bezahlt werden Dinge zu tun die einem Spaß machen, oder anders herum gefragt, warum machen mir Dinge für die man bezahlt wird keinen Spaß? Warum kann ich nicht mal so richtig glücklich und gelöst sein, wenn ich Rechnungen bezahle. Warum bin ich nie in meinem Element wenn ich putze? Schriftsteller gibt es wie Sand am Meer, wirklich zuverlässige Putzfrauen hingegen sind ein Privileg.

Hallo, mein Name ist Anna und ich in Schauspielerin.“

Hallo Anna…“ schallt es im Chor zurück. Ich bin bei den AK, den Anonymen Künstlern oder anders gesagt Menschen, die keinen gesteigerten Wert darauf legen für ihre Arbeit angemessen bezahlt zu werden. Was soll ich sagen. Ich musste etwas unternehmen. Ich habe allein einfach nicht mehr weiter gewusst. Da fühlt man sich total berufen, aber so was von, und dann beruft einen keiner. Ich bin jetzt seit Jahren arbeitslose Schauspielerin. Es gibt drei Sorten von Schauspielern.

Arbeitslose Schauspieler, die noch so etwas wie einen Rest Kaffeesatz an Prinzipien ihr Eigen nennen, oder einfach scheiße sind. Oder einfach Pech haben. Gleichzeitig sind sie natürlich ebenfalls auch Maler, Sänger, Tänzer, Produzent und Schriftsteller, natürlich genauso arbeitslos.

Dann gibt es diese die bereit sind alles dafür zu tun nicht arbeitslos zu sein. Oder diese die nackt einfach besser aussehen.

Und schlußendlich die Künstler, die für diesen Job einfach geboren sind und damit meine ich nicht Wunderkinder oder so. Sie sind in diesen Job hineingeboren. Ihre Muttermilch: reinstes Vitamin B.

Ist es nicht beunruhigend, dass es tatsächlich Menschen in Deutschland gibt, die denken, dass das Durchschnittseinkommen der Deutschen bei 3000 Euro im Monat liegt. Wir bei den AK gehen davon aus, dass die Studie von jemand mit Dyskalkuli durchgeführt wurde.

Bei den AK merkt man schnell, dass es sich um eine Gruppe Künstler handelt. Kaum macht einer auch nur den Mund auf brandet tosender Applaus auf. Gestern haben wir über eine halbe Stunde geklatscht als Oliver sein Handy fallen gelassen hat. Hinterher hat sich herausgestellt, dass er es wirklich hat fallen lassen und es keine One-man-performence-against-Facebook#Instagram#Pinup-your-Life-sucks war.

Hallo, ich bin Bernd.

Hallo Bernd!“ schallt es begeistert zurück.

Während Bernd Autogrammkarten schreibt erzählt er uns, dass er Stand Up Comedian und applaussüchtig ist.

Ja Leute, ich habe ein Problem. Ich habe angefangen mit diesem Comedy Zeugs und die Leute fanden es richtig gut. Sie haben gelacht und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich wirklich geliebt gefühlt. Für eine Sekunde war ich stark. Ich war glücklich. Aber dann brauchte ich neuen Applaus. Und mit jedem Applaus wurde die Angst zu versagen immer stärker. Je mehr Angst ich hatte, desto mehr Applaus brauchte ich. Ich sage das nicht gerne, aber ich habe Dinge getan auf die ich nicht stolz bin…“. Einige der Anwesenden heben die Hand um ihm Beifall zu klatschen, senken sie aber unter den bösen Blicken unsere Gruppenleiterin schnell wieder.

Na auf jeden Fall wollte ich sagen, dass es einen Grund zum Feiern gibt. Ich bin seit drei Tagen Trocken. Nicht ein einziger kleiner Applaus.“

Begeistert fangen alle an zu klatschen.

Bernd folgt Hanna. Hanna ist Schauspielerin, Model und Moderatorin. Drei Worte, die nur noch in Verbindung mit einander genannt werden dürfen. Sie hat einen Job nach dem anderen. Und ganz ehrlich ich muss ihr neidlos zugestehen, dass sie es so richtig geschafft hat. Unter anderem moderiert sie zum Beispiel den Bauernmarkt in Fillingen-Schweningen und letztens hat sie ein Preisschwein im Preisgau gekürt. Das Highlight eines jeden Jahres ist natürlich die Berlinale, auf der man auf Partys Menschen, die es wirklich geschafft haben, dabei zuschauen darf, wie sie wirklich am Boden geblieben sind.

Irgendwie beneide ich diese Hanna. Sie ist so zufrieden und es wirkt gar nicht so als würde sie diese ständige Unsicherheit irgendwie stressen. Sie hat keine biologische Uhr deren Ticken immer lauter wird und scheinbar isst sie niemals Kohlenhydrate. Es ist ihr egal, dass sie keine Ahnung hat wie sie ihre Krankenversicherung bezahlen soll und sie braucht niemals Urlaub. Ihr Selbstbewusstsein ist scheinbar auf Anabolika.

Ich habe aufgehört zu den AK zu gehen und habe eine Therapie angefangen. Nachdem letzte Woche der Monolog der Ophelia dran war, wagen wir uns diese Woche an „Warten auf Godot“. Als ich sagte ich plane einen Roman angelegt an „Krieg und Frieden“ nur etwas länger wurde meine Therapeutin leicht grün um die Nase. Ich kann nicht leugnen, dass ich ein wenig Mitleid mit ihr empfinde, denn ganz bestimmt hat sie nicht mit mir gerechnet, als sie damals beschloss sich zehn Semester durch ein Studium zu quälen, um anschließend behaupten zu können sie habe was Vernünftiges gelernt.

Anna Louise Buchloh

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