Der Schirm

Schirm

Der Schirm

Es kam, dass ich eines regnerischen Tages spazieren ging. Über meinem Kopf hielt ich einen jener Regenschirme deren oberes Ende noch vorne schnallt, wenn man einen kleinen Knopf am Griff des Schirmes drückt. Obgleich doch ein sehr trübes Wetter herrschte, und so der Mittag schon dem Abend glich, traf ich überaschender Weise unterwegs einen guten Freund. Zur Begrüßung einen Scherz, das erhellt der Tage Stimmung, dachte ich mir und überlegte meinen Schirm auf ihn zu feuern. Aus weiter Ferne, den Freund schon gesichtet, steckte ich meinen Regenschutz wieder in seine geschlossene Form zurück und legte meine Finger abzugbereit über den Auslöser. Gedanklich auf die Mitte seiner Brust zielend näherte ich mich freudig lächelnd , und wohlwollend berechnete ich indessen den Abstand und den Startpunkt des Schusses, alsdass die Schirmspitze kurz vor des Freundes Brust, allerhöchstens ihn antippend, zum stehen käme. Welch eine Aufregung.

An besagtem Abschusspunkt riss ich den Schirm nach oben, posaunte ein „Hände hoch du alter Ganove“ und drückte den Abzug. Ein perfekter Schuss. Welch ein Triumph. Wie geplant stoppte der Schirm mit einem leichten Stups auf meines Freundes Brustkorb. Noch in meiner Freude über das perfekte Gelingen meines kleinen Streiches nahm ich jedoch etwas Sonderbares an meinem Gegenüber wahr. Sollte seine Überraschung doch eigentlich in Freude übergehen. Doch das Gesicht das ich sah blieb starr und gleich darauf sank der Mann zu Boden und ward tot.

Noch lange beschäftigte mich dieser Vorfall an jenem trübseligen Tag und obgleich ich nie Verstand was dort geschehen war so wurde ich doch eines Tages aufgeklärt. Nämlich an jenem Tag an dem ich meinen Freund wiedersah. Und es brachte uns beide sehr zum lachen, als er erzählte, er habe eben just in diesem Moment geglaubt es wäre ein echter Schuss, aus einer echten Waffe. Und an diesem Glauben starb er eben.

Es war schön diesen Mann wiederzusehen, diesen Mann, der erkannte, dass seine Überzeugung in diesem Moment falsch war, er sie aber nie bereute. Nein, er hege keinen Groll, habe es doch zumindest den Moment ein wenig erheitert.

Alexander Buchloh

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