Aufstehen, aufeinander zu gehen, voneinander lernen…

Rose

Aufstehen, aufeinander zu gehen, voneinander lernen…

Warum  ist es nicht so einfach wie in solchen schönen, aber nach dem einhundertsten Mal singen, nervigen Kinderliedern. Sieht doch die Realität ganz anders aus. Stellen sie sich mal in die volle U Bahn und sagen morgens, auf dem Weg zur Arbeit,  den anderen Fahrgästen: „Danke für diesen Guten Morgen Danke für jeden neuen Tag“. Versuchen sie es, Sie werden selbst sehen wie gut das ankommt.

Memo an mich: Text über die Alltagstauglichkeit von Kinderliedern schreiben!

Habe ich gemacht, aber sagen wir so: „Alle meine Texte…sind auf dem Pc sind auf dem Pc…vergisst du sie zu speichern tut das wirklich weh…

Aber mal im Ernst!

Es gibt dieses schöne Schlaflied „Guten Abend, gute Nacht“…

Ich habe als Kind immer verstanden „Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht, mit Knäblein besteckt“… Fand ich immer irgendwie komisch, diesen Gedanken, dass da Knaben auf mich drauf gesteckt werden sollten…Und vor allem warum? Eine Verwirrung die bis zur Pubertät anhalten sollte. Doch als ich mich gerade anfing mit dem Gedanken an den ein oder anderen ganz attraktiven Knaben in meinem Bett anzufreunden fand ich leider heraus, dass es sich bei besagten Knäblein leider um Näglein handelte. In den neunziger Jahren fand man das noch gruselig. In Zeiten von Fifty Shades of Grey fragen sich die Jugendlichen wahrscheinlich einfach nur ob da auch ein Beinspreizer involviert ist.

Haben sie sich mal Gedanken über die Texte von Gute-Nacht-Liedern gemacht? Nein? Ich schon, jeden Abend, die ersten sieben Jahre meines Lebens. Mich hat das unglaublich fertig gemacht, dass mir niemand erzählen wollte, welche Kriterien Gott dabei verwendet wenn er sich fragt ob er dich Morgen früh wieder erweckt. Ich meine ich kannte diesen Gott nicht so genau und ich fand es immer einer sehr wage Aussage zu singen „Morgen Früh wenn Gott will“. Woher soll man denn abends wissen ob Gott jetzt am nächsten Tag will oder nicht. In meinem Kopf klang das immer so:  Morgen früh wenn Gott will, ja wenn er eventuell vielleicht  will… Kann man auch aufwachen wenn Gott nicht daran denkt einen zu wecken? Was wenn er mich ausversehen mal vergessen würde bei der Masse an kleinen Kindern, bei denen er jede Nacht zu entscheiden hat ob sie nun wider aufwachen oder nicht. Dann hätte Gott zwar gewollt, ich wäre aber leider einfach so durchs System gerutscht. Zack Pech gehabt. Schlaf du mal friedlich weiter.

Sicherheitshalber habe ich angefangen mich jeden Abend von allen meinen Lieben zu verabschieden und zu bestimmen wer welche Sachen von mir haben soll. Da das Testament einer Fünfjährigen aber davon bestimmt wird, mit wem sie  gerade im Kindergarten zerstritten ist und wer aktuell zu den engsten Freunden zählt, wurde meiner Mutter das irgendwann zu langwierig. Als ich mir eines Abend so definitiv sicher war, dass Gott sicher nicht wollen würde, dass ich überhaupt jemals wieder wach werden sollte, erzählte sie mir, ich sollte mir einfach Jesus neben dem „Schrecklichen“ vorstellen was mich so quäle. Natürlich hatte ich ihr nicht gesagt, dass ich mittlerweile Deals mit Gott aushandelte damit er mich nur ja wieder erwecke. Nichts wäre so stark wie Jesus, sagte meine Mutter in der Hoffnung nicht alle meine zwölf Puppen samt Kleidung auf meinen Freundeskreis aufteilen zu müssen.

Ich war mir da zwar nicht so sicher, immerhin war es ja genau sein Vater vor dem ich so schreckliche Angst hatte, aber warum sollte Jesus mir nicht ein Paar Bonus Punkte auf der du-darfst-wieder-aufwachen-Liste einbringen. Sicherheitshalber fing ich zusätzlich an das Vater Unser zu beten. Ich dachte mir, mit Jesus als Verbündeten an meiner Seite, da würde Gott schon wollen dass ich am nächsten Tag wieder aufwachte. Heutzutage  steht Jesus regelmäßig neben meinem leeren Bankkonto… Aber irgendwie scheint es doch etwas zu geben das stärker ist als er.

Fassen wir zusammen: Bisher bin ich jeden Morgen aufgewacht. Heute schreibe ich ganz locker blasphemische Texte, aber seien wir doch mal ehrlich, abends entschuldige ich mich sicherheitshalber lieber dafür, damit ich ganz sicher sein kann, dass ich wieder aufwachen darf. Was wir als Kinder beigebracht bekommen bleibt uns ein Leben lang und sei es nur ein Schatten in unserem Gedächtnis. In meinen Ohren gibt es immer noch das Pommerland, von dem ich keine Ahnung habe wo zum Teufel es liegt und warum es Abgebrannt ist. Ich bin dafür diese Texte einfach ein bisschen mehr Up to Date umzuschreiben. Hier ein paar Vorschläge:

„Winterkorn ade, Scheiden tut weh, aber dein Scheiden macht, dass dein Konto trotzdem lacht…“

„Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg, deine Mutter liegt im Mittelmehr und hier will dich kein besorgte Bürger mehr, Maikäfer flieg!“

Auch bin ich dafür realistischere Spiele zu spielen. Die Kinder direkt praktisch auf das Leben vorzubereiten. Zum Beispiel… Wer hat Angst vor Finanzamt? Niemand? Und wenn es kommt? Dann machen wir ein Offshorekonto in Lichtenstein!

Völkerball wird umbenannt in Europaball, die Türkei rennt außen rum und versucht die Spieler im Feld zu treffen. Nur die Briten, die sitzen leider auf der Bank, die dürfen nicht mehr mitspielen.

Wissen sie ich habe aufgehört morgens in der Bahn „Danke für diesen guten Morgen“ zu singen. Ich trällere jetzt fröhlich vor mich hin, während ich die Leute um mich herum verschmitzt anlächele: „Wer will wirklich Idioten sehn der sollte mal zur AfD gehen“…oder „Braun braun braun sind alle ihre Kleider, braun braun braun ist ihr Gedankengut“.

Anna Louise Buchloh

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Aufstehen, aufeinander zu gehen, voneinander lernen…

  1. Recht hast du! Ich habe für Fiete das WENN in WANN Gott will geändert, damit bereite ich ihm hoffentlich keine Alpträume 🙂 Bis ganz Bald, Puss Hannah

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